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E-Commerce KPIs: Die wichtigsten Kennzahlen für Online-Händler

Erfolgreicher E-Commerce basiert auf datengetriebenen Entscheidungen. Doch welche Kennzahlen sind wirklich relevant? In der Flut von Analytics-Dashboards und Metriken verlieren viele Online-Händler den Blick fürs Wesentliche. Dieser Leitfaden stellt die wichtigsten E-Commerce KPIs vor - mit Formeln, Benchmarks und konkreten Handlungsempfehlungen.

Warum E-Commerce Kennzahlen unverzichtbar sind

Ohne KPIs fischst du im Trüben. Du weißt nicht, ob dein Shop besser oder schlechter wird, welche Marketingkanäle sich lohnen oder wo Kunden abspringen. Die richtigen Kennzahlen liefern Antworten auf zentrale Fragen:

  • Wie effektiv ist dein Marketing?
  • Wo verlierst du potenzielle Kunden?
  • Wie profitabel ist dein Geschäftsmodell?
  • Welche Produkte oder Kanäle performen am besten?

Der Schlüssel liegt nicht darin, möglichst viele Metriken zu tracken, sondern die richtigen. Eine Handvoll aussagekräftiger KPIs ist wertvoller als ein Dashboard mit hundert Kennzahlen.

Die 10 wichtigsten E-Commerce KPIs

1. Conversion Rate (CR)

Die Conversion Rate ist die Basismetrik im E-Commerce. Sie zeigt, welcher Anteil deiner Besucher eine gewünschte Aktion ausführt - meist einen Kauf.

Formel:

Conversion Rate = (Anzahl Conversions / Anzahl Sessions) x 100

Beispiel: 500 Bestellungen bei 20.000 Sessions = 2,5% Conversion Rate

Benchmarks nach Branche:

BrancheDurchschnittliche CR
Mode & Bekleidung1,5 - 2,5%
Elektronik1,0 - 2,0%
Möbel & Einrichtung0,5 - 1,5%
Beauty & Kosmetik2,0 - 3,5%
Lebensmittel3,0 - 5,0%

Optimierungshebel: Conversion Optimierung durch bessere UX, schnellere Ladezeiten, optimierte Produktseiten und vereinfachten Checkout.

2. Average Order Valü (AOV)

Der durchschnittliche Bestellwert zeigt, wie viel Kunden pro Transaktion ausgeben. Ein höherer AOV bedeutet mehr Umsatz bei gleicher Conversion Rate.

Formel:

AOV = Gesamtumsatz / Anzahl Bestellungen

Beispiel: 50.000 EUR Umsatz bei 1.000 Bestellungen = 50 EUR AOV

Optimierungshebel: Cross-Selling, Upselling, Bundle-Angebote, Mindestbestellwert für kostenlosen Versand, Produktempfehlungen im Warenkorb.

3. Customer Lifetime Valü (CLV)

Der Kundenlebenszeitwert misst den Gesamtwert eines Kunden über die gesamte Geschäftsbeziehung. Er ist entscheidend für die Frage, wie viel du für die Kundenakquise ausgeben kannst.

Einfache Formel:

CLV = AOV x Kaufhäufigkeit pro Jahr x durchschnittliche Kundenlebensdaür

Beispiel: 80 EUR AOV x 3 Käufe/Jahr x 4 Jahre = 960 EUR CLV

Optimierungshebel: E-Mail-Marketing, Loyalty-Programme, besserer Kundenservice, personalisierte Empfehlungen, Subscription-Modelle.

4. Customer Acquisition Cost (CAC)

Die Kundenakquisitionskosten zeigen, was es kostet, einen neün Kunden zu gewinnen. In Kombination mit dem CLV ergibt sich die zentrale Profitabilitätsfrage.

Formel:

CAC = Marketing- und Vertriebskosten / Anzahl gewonnener Neukunden

Beispiel: 10.000 EUR Marketingbudget bei 200 Neukunden = 50 EUR CAC

Faustregel: Der CLV sollte mindestens 3x so hoch sein wie der CAC. Bei einem CLV:CAC-Verhältnis unter 1 verlierst du mit jedem Neukunden Geld.

5. Cart Abandonment Rate

Die Warenkorbabbruchrate zeigt, wie viele Kunden Produkte in den Warenkorb legen, aber nicht kaufen. Sie ist einer der grössten Hebel für Umsatzsteigerungen.

Formel:

Cart Abandonment Rate = (1 - Bestellungen / Begonnene Checkouts) x 100

Benchmark: Die durchschnittliche Abbruchrate liegt bei etwa 70%. Das bedeutet: Von 10 angefangenen Checkouts werden nur 3 abgeschlossen.

Häufige Ursachen: Überraschende Versandkosten, Pflichtregistrierung, komplizierter Checkout, fehlende Zahlungsarten, Sicherheitsbedenken.

Optimierungshebel: Transparente Kosten, Gastbestellung, weniger Checkout-Schritte, mehr Zahlungsoptionen, Exit-Intent-Popups mit Incentives.

6. Return Rate (Retourenquote)

Die Retourenquote ist besonders im Mode- und Schuh-Bereich kritisch. Hohe Retouren fressen Margen und belasten die Logistik.

Formel:

Retourenquote = (Rücksendungen / Bestellungen) x 100

Benchmarks:

BrancheRetourenquote
Mode & Schuhe30 - 50%
Elektronik5 - 10%
Möbel3 - 8%
Beauty2 - 5%

Optimierungshebel: Bessere Produktbeschreibungen, Grössenberater, hochwertige Produktbilder, Kundenbewertungen, detaillierte Massangaben.

7. Revenü per Visitor (RPV)

Der Umsatz pro Besucher kombiniert Conversion Rate und AOV zu einer einzigen Metrik. Er ist besonders nützlich für den Vergleich von Marketingkanälen.

Formel:

RPV = Gesamtumsatz / Anzahl Besucher

oder

RPV = Conversion Rate x AOV

Beispiel: 2% CR x 80 EUR AOV = 1,60 EUR RPV

Anwendung: Ein Marketingkanal mit 1,80 EUR RPV ist wertvoller als einer mit 1,20 EUR - selbst wenn Letzterer mehr Traffic bringt.

8. Add-to-Cart Rate

Die Warenkorb-Hinzufügungsrate zeigt, wie viele Besucher mindestens ein Produkt in den Warenkorb legen. Sie ist ein früherer Indikator als die Conversion Rate und hilft, Probleme zu lokalisieren.

Formel:

Add-to-Cart Rate = (Sessions mit Warenkorb-Aktion / Gesamt-Sessions) x 100

Benchmark: 5-10% je nach Branche

Optimierungshebel: Produktseiten-Optimierung, bessere Bilder, überzeugendere Produktbeschreibungen, Social Proof, prominente CTA-Buttons.

9. Bounce Rate

Die Absprungrate zeigt, wie viele Besucher die Seite nach nur einer Seitenansicht wieder verlassen. Eine hohe Bounce Rate auf Produktseiten oder der Startseite ist ein Warnsignal.

Formel:

Bounce Rate = (Single-Page-Sessions / Gesamt-Sessions) x 100

Benchmarks:

  • Startseite: 40-60%
  • Kategorieseite: 30-50%
  • Produktseite: 20-40%
  • Landingpage: 60-90% (abhängig vom Kampagnenziel)

Optimierungshebel: Relevanter Content, schnelle Ladezeiten, klare Navigation, Mobile-Optimierung, passende Meta-Beschreibungen (Erwartungsmanagement).

10. Repeat Customer Rate

Die Wiederkaufrate zeigt, wie viele Kunden erneut kaufen. Bestandskunden sind in der Regel profitabler als Neukunden, da keine Akquisitionskosten anfallen.

Formel:

Repeat Customer Rate = (Wiederkehrende Kunden / Gesamte Kunden) x 100

Benchmark: 20-40% ist ein guter Wert, stark abhängig von Branche und Produktart.

Optimierungshebel: E-Mail-Marketing, Treüprogramme, hervorragender Kundenservice, personalisierte Angebote, Subscription-Optionen.

KPI-Dashboard: Was gehört hinein?

Nicht jede Kennzahl verdient einen Platz auf dem täglichen Dashboard. Fokussiere dich auf die Metriken, die deine zentralen Geschäftsziele abbilden.

Täglich beobachten:

  • Umsatz (absolut und vs. Vorjahr/Vorwoche)
  • Sessions und Traffic-Qüllen
  • Conversion Rate
  • AOV

Wöchentlich analysieren:

  • Cart Abandonment Rate
  • Add-to-Cart Rate
  • Bounce Rate nach Seitentyp
  • Retourenquote

Monatlich evaluieren:

  • CLV und CLV:CAC-Verhältnis
  • CAC nach Kanal
  • Repeat Customer Rate
  • RPV nach Traffic-Qülle

Von Daten zu Entscheidungen

KPIs sind nur nützlich, wenn sie zu Handlungen führen. Ein strukturierter Ansatz hilft:

  1. Baseline etablieren: Wo stehst du aktüll? Miss die wichtigsten KPIs über mindestens 4 Wochen.

  2. Ziele definieren: Welche Verbesserung ist realistisch? Eine Steigerung der CR von 2% auf 2,2% bedeutet bereits 10% mehr Umsatz.

  3. Hypothesen bilden: Warum ist eine Kennzahl unter Erwartung? Hohe Cart Abandonment Rate könnte an fehlenden Zahlungsarten liegen.

  4. Testen und messen: Änderungen durch A/B-Tests validieren, bevor sie flächendeckend ausgerollt werden.

  5. Iterieren: KPI-Optimierung ist kein Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess.

Fazit: Fokus schlägt Vollständigkeit

Die wichtigste Erkenntnis: Weniger ist mehr. Konzentriere dich auf die 5-7 KPIs, die für dein Geschäftsmodell wirklich zählen. Eine tiefe Analyse weniger Metriken bringt mehr als eine oberflächliche Betrachtung vieler Zahlen.

Für eine systematische Verbesserung deiner E-Commerce-Kennzahlen empfehlen wir den Einstieg über die Conversion Optimierung - sie beeinflusst praktisch alle relevanten KPIs positiv.