Was ist digitale Barrierefreiheit?
Über eine Milliarde Menschen weltweit leben mit einer Behinderung - 15% der Weltbevölkerung. Digitale Barrierefreiheit bedeutet, diese Menschen nicht auszuschließen.
Das BFSG - was Unternehmen wissen müssen
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist seit 28. Juni 2025 in Kraft. Es betrifft B2C-Unternehmen mit Websites, Apps und Online-Shops.
Wer ist betroffen?
- E-Commerce und Online-Shops
- Bankdienstleistungen und Finanzprodukte
- Buchungsportale, E-Books, Messenger
Ausnahmen:
- Kleinstunternehmen (<10 Mitarbeiter UND <2 Mio. EUR Umsatz)
- Reine B2B-Angebote (aber: interne Portale können trotzdem betroffen sein)
Bei Nichteinhaltung drohen:
- Bussgelder bis 100.000 EUR pro Verstoss
- Abmahnungen durch Wettbewerber
- Vertriebsuntersagung nicht konformer Produkte
WCAG-Richtlinien: Die drei Stufen
Der technische Standard ist WCAG 2.1 Level AA (via EN 301 549). Vier Prinzipien: Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich, Robust (POUR).
| Stufe | Anforderung | Beispiele |
|---|---|---|
| Level A | Minimum | Alt-Texte, keine Tastaturfallen |
| Level AA | BFSG-Standard | Kontrast 4,5:1, konsistente Navigation |
| Level AAA | Optimum | Kontrast 7:1, Gebärdensprache |
WCAG 2.0 vs 2.1 vs 2.2: WCAG 2.1 (2018) ergänzt mobile Nutzung. WCAG 2.2 (2023) ist abwärtskompatibel - wer 2.2 erfüllt, erfüllt automatisch 2.1.
Die häufigsten Barrieren
- Fehlende Alternativtexte für Bilder
- Unzureichende Farbkontraste
- Nicht per Tastatur bedienbare Elemente
- Formulare ohne Labels
- Videos ohne Untertitel
Die gute Nachricht: Die meisten Barrieren sind technisch einfach zu beheben.
Warum Barrierefreiheit mehr ist als Compliance
Marktreichweite: Barrierefreie Produkte erreichen bis zu viermal mehr Nutzer - auch Menschen mit situativen Einschränkungen (helles Sonnenlicht, laute Umgebung).
Curb-Cut-Effekt: Was für Menschen mit Behinderung notwendig ist, macht Produkte für alle besser. Sprachsteürung, Untertitel, Dark Mode - all das begann als Barrierefreiheits-Feature.
SEO-Vorteile: Strukturierte Inhalte, Alt-Texte und semantisches HTML verbessern auch die Rankings.
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