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Scenario Based Design

Scenario Based Design nutzt narrative Nutzungsszenarien, um Designentscheidungen zu leiten. Die Szenario-Methode macht komplexe Systeme greifbar und verbindet technische und nicht-technische Stakeholder durch konkrete Anwendungsszenarien.

Wissen

Scenario Based Design: Die Szenario-Methode im UX Design

Scenario Based Design ist eine Gestaltungsmethode, die narrative Szenarien als zentrales Werkzeug nutzt. Statt mit abstrakten Anforderungslisten zu arbeiten, erzählst du Geschichten darüber, wie Menschen ein Produkt nutzen werden. Diese Geschichten leiten dann alle Designentscheidungen.

Was ist ein Szenario?

Ein Szenario ist eine erzählte Beschreibung einer Nutzungssituation. Es beantwortet vier zentrale Fragen: Wer handelt – eine konkrete Person mit Namen und Hintergrund. Was die Person erreichen will. Wie die Interaktion ablaüft. Und welcher Kontext vorliegt – Umgebung, Einschränkungen, emotionaler Zustand.

Ein Beispiel: „Maria, 42, Projektleiterin, sitzt montags im überfüllten Zug. Sie hat 20 Minuten, um Projektänderungen zu checken. Sie öffnet die App auf ihrem Smartphone. Das Netz ist instabil…"

Dieses Szenario ist konkreter als „Das System soll Projektänderungen anzeigen". Es zwingt dich, über reale Bedingungen nachzudenken: Wie funktioniert die App bei schlechter Verbindung? Wie viel Information passt auf einen kleinen Bildschirm?

Die Szenario-Typen nach Rosson und Carroll

Mary Beth Rosson und John Carroll haben das bekannteste Framework entwickelt. Sie unterscheiden mehrere Szenario-Typen:

Problem-Szenarien beschreiben die aktülle Situation mit allen Umwegen, die Nutzer heute erleben. Aktivitäts-Szenarien zeigen, wie Nutzer mit dem neün System ihre Ziele erreichen. Informations-Szenarien klären, welche Informationen Nutzer wann brauchen. Interaktions-Szenarien beschreiben die konkrete Bedienung und bilden die Brücke zum Interface-Design.

Die Stärken von Scenario Based Design

Konkret statt abstrakt: Geschichten sind leichter zu verstehen als Anforderungslisten. Jeder im Team kann ein Szenario nachvollziehen.

Frühe Problemerkennung: Wenn du ein Szenario durchspielst, stolperst du über Ungereimtheiten – wenn Änderungen noch günstig sind.

Stakeholder-Kommunikation: Szenarien verbinden technische und nicht-technische Perspektiven. Ein Fachexperte kann sofort sagen: „So würde das bei uns nie ablaufen."

Nutzungsszenarien vs User Stories

Ein Anwendungsszenario beschreibt, wie und warum jemand ein Feature nutzt. Die User Story definiert was gebaut werden soll. In der Praxis ergänzen sich beide: Szenarien informieren User Stories, die Umsetzung präzisiert den Ablauf.

Die Methode passt gut zu anderen nutzerzentrierten Ansätzen wie Design Thinking oder User Centered Design. Sie liefert ein konkretes Werkzeug für echtes Verständnis der Menschen, für die du gestaltest.

Vertiefung

Scenario Based Design in der Praxis

Szenarien entwickeln

Gute Szenarien basieren auf echter Nutzerforschung – Beobachtungen, Interviews, Kontextanalysen. Erst wenn du verstehst, wie Menschen heute arbeiten, kannst du glaubwürdige Geschichten über morgen erzählen.

Starte mit Problem-Szenarien: Beschreibe, wie Nutzer ihre Aufgaben heute erledigen – mit allen Umwegen und Frustrationen. Diese Geschichten zeigen, wo dein Produkt ansetzen muss.

Halte Szenarien konkret. Namen, Orte, Zeitpunkte, emotionale Zustände – diese Details machen Szenarien lebendig. Ein Szenario mit „der Nutzer" ist weniger nützlich als eines mit „Maria, montags im Zug".

Teste deine Szenarien mit echten Nutzern. Zeige ihnen die Geschichte und frage: „Kommt dir das bekannt vor?" Ihre Reaktionen zeigen, ob deine Annahmen stimmen.

Szenarien im Team nutzen

Szenarien entfalten ihre Kraft, wenn das ganze Team sie kennt. Hänge die wichtigsten Szenarien sichtbar im Arbeitsraum auf. Referenziere sie in Diskussionen: „Wie würde Maria das erleben?"

Nutze Szenarien in Design Reviews. Statt „Gefällt mir nicht" zu sagen, frage: „Wie passt das zu Marias Situation im Zug?" Szenarien versachlichen Diskussionen und fokussieren auf Nutzerbedürfnisse.

Aktualisiere Szenarien, wenn sich Erkenntnisse ändern. Sie sind keine Dokumente, die man einmal schreibt und dann abheftet. Neü Nutzerforschung oder Testergebnisse können Szenarien verändern – und damit das Produkt.

Verknüpfe Szenarien mit anderen Artefakten: User Stories verweisen auf Szenarien, Prototypen visualisieren sie, Testfälle leiten sich daraus ab.

Du willst Nutzungsszenarien in deinem Projekt einsetzen? Starte mit Beobachtung: Wie lösen deine Nutzer ihre Aufgaben heute? Diese Einsichten werden zum Rohmaterial für deine ersten Problem-Szenarien.

So startest du

Beobachte drei bis fünf Nutzer bei ihrer Arbeit. Notiere konkrete Situationen, Frustrationen und Workarounds. Daraus entstehen authentische Szenarien, die dein Team als gemeinsame Referenz nutzen kann.

Unsicher, wo anfangen?

Im Erstgespräch klären wir, welche Szenarien für dein Produkt den grössten Hebel haben – und wie du sie mit bestehenden Methoden wie User Stories verbindest.

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Szenarien entwickeln, die Designentscheidungen leiten

Im Erstgespräch analysieren wir, welche Nutzungsszenarien für dein Produkt den grössten Hebel haben und wie du sie in deinen bestehenden Prozess integrierst.

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